Sieben Bücher für siebzig Jahre

Diese Publikation gehörte zu den aufwändigsten, die ich je realisieren konnte. Nicht, dass die rund zwei Jahre vom ersten Konzeptgespräch bis zur Auslieferung der Buch-Box aussergewöhnlich gewesen wären. Solche Zeithorizonte sind für ein Buch nichts Besonderes.

Speziell hingegen erwies sich der Ablauf. Zunächst ging es darum, etwa 20 Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Jubilars aufzusuchen. In Interviews bzw. «Gesprächen bei einem Glas Wein» sollten Informationen zusammengetragen werden, aus denen dann ein Buch zu texten und zu gestalten wäre.

In den anfänglichen Konzeptphasen plante ich, ziemlich logisch zu jedem Lebensabschnitt eine Person zu finden. Die Namen der Persönlichkeiten, die bald einmal auf der Liste standen, kannte ich nur mit wenigen Ausnahmen.

Somit waren die ersten Monate damit ausgefüllt, sich für die Interviewgespräche vorzubereiten, genauer zu wissen, mit wem man es zu tun hatte, anschliessend die Termine abzustimmen und fundierte Inhalte zu sammeln.

Da ich mir nicht sicher war, ob wir überhaupt ein gedrucktes Buch oder eher eine App bzw. ein E-Book mit Filmclips realisieren wollten, nahm ich einen Kameramann mit. Wir fotografierten nicht, wir filmten während der Gespräche. Die Filmtechnik lässt es heute zu, auch aus bewegten Bildern scharfe Aufnahmen auszuwählen, die sich ohne Qualitätsverlust drucken lassen.

Es blieb also beides offen. Was aber nach einem Jahr zum Umdenken zwang, waren die gesammelten Abschriften der Interviews. Die Texte enthielten viele individuelle Bezüge und Erlebnisse, die ein breites Lesepublikum nicht nachvollziehen konnte – und zu viele Lücken, die eine chronologische Biografie verunmöglichten.




Aus einem einzigen, umfangreicheren Band entwickelte sich die Idee einer Box mit 7 Büchern


Es musste ein neues Konzept her. Die Chronologie wurde aufgebrochen. Aus den Gedanken entwickelte sich eine neue Idee: 7 verschiedene Bücher, jedes thematisiert andere Aktionsbereiche des Jubilaren. Alle Bände sollten in einer Box zusammengefasst werden.

Nicht nur die Texte verlangten nun nach umfassenden Recherchen, auch die Bildersuche mussten wir intensivieren. Dabei kamen glückliche Umstände ins Spiel, durch die neue Bildquellen gefunden wurden.

Doch wie gestaltet man einen Stammbaum, wenn man keinen direkten Zugang zu den Daten und Quellen hat? Wie kommt man an Details heran, die nur ganz nahestehende Personen wissen? Denn schon zu Beginn des Projektes war definiert worden, dass der Jubilar so wenig wie möglich erfahren sollte, was ihn an seinem 70. Geburtstag erwarten würde.

Dann wurde die Zeit knapp. Wochen um Wochen verstrichen, und wir hatten noch nicht die Hälfte des Materials zusammen. Ein aussergewöhnlicher Schritt: wir gestalteten und arbeiteten in der Druckvorstufe, noch bevor die Texte definitiv vorlagen. Überraschende Korrekturzwänge brachten das Zeitgefüge erneut in einen engeren Rhythmus.

Doch bei all den Komplikationen – auch mit Nächten von tranceartigen Zuständen –, das Projekt wurde fertig. Mit weiteren Hindernissen zwar, aber dann schliesslich mit exklusiven Erstexemplaren am Tag des Geburtstages.

Das Gelernte, die Erlebnisse, die Erkenntnisse: all das möchte ich nicht missen. Welche Publikationen gibt es als nächstes, die noch anspruchsvoller sein könnten? 

Am Projekt Beteiligte: Dr. Dieter Spälti als Auftraggeber / H.W.Rodenhausen als Projektleiter / Atelier Schadegg war zuständig für die Gestaltung / Magee Production für die Interviews und etliche andere Aufnahmen. Gedruckt wurde bei Reproscan AG in Ottenbach ZH. Buchbinderarbeiten und Ausrüstung übernahm BuBu in Mönchaltorf.

Einige Beispielseiten aus der Jubiläums-Chronik 70 Jahre