26.06.2018

Kein Magazin zurzeit, keine Werbespots ohne Grillvergnügen. Da zischt es, da brutzelt es, da räuchelt es. Ringsherum glückliche Gesichter, fröhlich Zuprostende, hübsche Girls und immer wieder auch mal ein Promi. Es geht heiß zu und her.

Seit Anfang März bin ich auch dabei. Dort, wo die Holzkohle entsteht. Am Meiler im Napfgebiet, am Meiler in der Ostschweiz, in der Nordschweiz. Ich bin auf den Spuren der Holzkohle.




An und für sich schon ein schönes Objekt, so ein Holzkohlestück. Es gibt sogar Schmuckdesigner, die Holzkohle für ihre Kreationen entdeckt haben.

Holzkohle entsteht industriell in Retorte-Öfen. Oder manuell in einem aufgeschichteten Kohlemeiler. Wo Kohlemeiler stehen, da ist Rauch. Viel Rauch, Wasserdämpfe und Gase entweichen aus den präzise gestochenen Löchern bis so ein Haufen von etwa 50 Raummeter Holz durchgekohlt ist.

Von wegen Haufen: Es gibt Meiler, die sind so akkurat aufgeschichtet und ummantelt, als handle es sich um Land-Art. Im Grunde ist es eine Art Kunst. Eine Handwerkskunst, die weit in alte Hochkulturen zurückreicht. Nicht nur die Geschichte, die Geschichten und das wieder aufkeimende Interesse macht das Thema für mich spannend. Auch die Aktualität.




Ein Meiler wird in Gang gesetzt. In der Mitte befindet sich der Quandelschacht oder das Füllihuus. Hier wird zunächst Glut eingeschüttet und anschließend über mehrere Tage immer wieder Holzkohle oder Holz nachgefüllt.

Mehr und mehr Menschen kommen zu den Köhlerfesten. Der europäische Köhlerverband zählt bereits über 2000 Mitglieder. Wo sich größere Wälder ausdehnen, wird wieder traditionell geköhlert. Ob in der Eifel, ob im Harz, ob im Schwarzwald, in Bayern, in Österreich oder der Schweiz: Es rauchen die Meiler. Im Napfgebiet um Romoos mit den steilen Matten und bewaldeten Hängen ist das Köhlern schon seit Jahrhunderten ein willkommener Nebenerwerb für die dortigen Bergbauern.



Ein Meiler, der schon zu gut einem Drittel eingesackt ist. Eingesackt ist auch die Holzkohle im Hintergrund, die in einem Lastwagen-Anhänger auf den Transport wartet.

Weltweit. so wird berichtet, sollen pro Jahr vier Milliarden Kubikmeter Holz geschlagen werden. Die Hälfte davon dient als Brennholz oder Holzkohle. In zahlreichen Ländern steht außerhalb der großen Städte nur diese Energiequelle für die tägliche Nahrungszubereitung zur verfügung.

Erschreckend aber ist, dass aus kahlschlag-gefährdeten Gegenden in Afrika und Südamerika billige Holzkohle nach Europa verschifft wird. Noch immer gibt es hierzulande Grillholzkohle zu kaufen, von der man weder die Herkunft noch die genauen Holzarten kennt. Sogar wertvolles Tropenholz soll darunter sein.




Es ist ein Wunder: Holzkohle, Diamanten und der menschliche Körper, in allen steckt mehr oder weniger Kohlenstoff. Immerhin 28% bei uns Menschen.

Während einer Grillsaison verglühen in Europa mehr als 200 000 Tonnen Holzkohle zu Asche. Die Deutschen sind dabei absolute Spitzenreiter. Aber auch auf Schweizer Feuerstellen wird eifrig gebrutzelt, braten die Fleischstücke auf dem Rost, garen Fische und Gemüsestücke über der Glut.

Das Kapitel «Grillieren» wird das letzte sein in meinem in Arbeit befindlichen Buch. Vor allem geht es um Köhlergeschichten und um Menschen, die das ganze Jahr diese Glut in sich spüren. Sie warten sehnlichst darauf, den nächsten Meiler aufzubauen, zu hüten und nächtelang bei ihm zu bleiben.

Dazwischen entstehen Kapitel, in denen es um die Industrialisierung, die Globalisierung und um die unglaublich vielen Einsatzfelder von Holzkohle geht. Wie zum Beispiel Gesundheits-Trends mit Aktikvkohle. Kohlschwarze Glace, schwarze Torten und Drinks in tiefstem Kohleschwarz sind hip.

Sie scheint ein heißes Thema zu sein, diese Holzkohle. In den letzten zehn Jahren sind mehr und mehr Bücher und Filme dazu herausgekommen. Ob ich mit einem neuen Buch auch im übertragenen Sinne «Kohle machen» kann? Wenn sich die Ausgaben decken lassen und ein vernünftiger Stundenlohn zu rechnen ist, bin ich schon zufrieden. Um viele schöne Begegnungen bin ich bereits reicher. Ach übrigens: Für Sponsoren und Kooperationen habe ich ein offenes Ohr... und ich weiß schöne Feuerstellen, um gemeinsam zu grillieren und zu philosophieren.

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