7. Februar 2017


Es gibt Themen, die verfolgen einen über eine gewisse Zeit nahezu unausweichlich. Donald Trump zum Beispiel. – Oder bei mir etwas ganz anderes: das Thema «nah – weit» oder «dicht – distanziert».

Im letzten Blog (> siehe «Gröber oder feiner») hatte ich mich schon damit befasst. Und wie es der Zufall so will, war ich erneut im Beyeler-Museum. Anlass jetzt: Monet zum x-ten Mal zu bestaunen.

Ghostwriter macht sich klein

Nicht nur eine Seerose, auch Industrierauch im Londoner Nebel kann meisterhaft gemalt werden – wenn Claude Monet den Pinsel führt

Schon Monets Mut, auf laufmetergrossen Leinwänden einfach ein Stück Seerosenteich zu malen, lässt verblüffen. Doch auch die kleinformatigeren Brückenbilder aus London drücken dieselbe Kraft aus. Mehrere Dutzende Male die gleiche Brücke zu malen, in immer «verschwommeneren» Farben und Pinselstrichen – das spornt an.

Das ist es, was mir fürs Schreiben Anregung gibt. Sozusagen mit halb zugekniffenen Augen ganz nah dran zu sein. Genauigkeit im Detail, verbunden mit einem stetigen Blick fürs grosse Ganze .


Ghostwriting mit Blick aufs Detail

Nah dran zu sein, heisst, mutig mit Details zu spielen ohne das Gesamtbild zu verlieren

Bei Biografien bekommt das noch einmal eine andere Bedeutung: In welchen kleinen, beispielhaften Szenen und Erzählungen wird die Persönlichkeit am deutlichsten spürbar? Welche entscheidenden Lebensumstände haben die Laufbahn gelenkt? Und: wie fügt sich am Ende alles zueinander, ergibt sozusagen ein «Riesengemälde»?

Monet nah zu betrachten – und einfach ein paar abstrakte, wilde Pinselstriche zu sehen. Dann blinzelnd «halbsehend» zu erkennen, dass sogar in diesem wilden Farbenrausch Struktur und nahezu fotografische Genauigkeit steckt. Analogien werden sichtbar, eigene Wahrnehmungen werden deckungsgleich.

Monet als Beispiel für Präzision im Kleinen wie im Grossen

Ewig gleiche Themen mit immer neuen Entdeckungen zu ergänzen: auch das braucht den Blick für Details

Das, genau das, sollte auch in einer guten Biografie, in einer guten Familiengeschichte zur Motivation werden: die nächsten Generationen anzuregen, sich in ihrer eigenen Identität mit den Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern usw. auseinanderzusetzen.

Ich freue mich auf die nächste solche Auftragsarbeit. Es muss jetzt nicht unbedingt Donald Trump sein. Auch wenn die kleine, neu entdeckte Motte «neopalpa donaldtrumpi» viele Assoziationen «von klein zu gross» und «von dicht zu distanziert» offen liesse. Nur schon über den Haarschopf.


Wie schön dass ein grosser Trump ein kleines Trumpi hat

Close up von Neopalpa donaldtrumpi. Dr. Vazrick Nazari, kanadischer Entomologe, entdeckte die winzige Motte mit einer Vorderflügellänge von höchstens 4,6 Millimetern
© Dr. Vazrick Nazari - https://www.eurekalert.org/multimedia/pub/130940.php