02.02.2020

Es war ein denkwürdiger Tag. Zumindest kalendermäßig und in den Medien. Denn es ging um ein Palindrom-Datum. Man schrieb ein Datum, das nur etwa alle 900 Jahre vorkommt, eines, das man vorwärts und rückwärts genau gleich lesen kann – eben wie ein Palindrom.

Das ist doch ein Grund, einmal genauer zu beobachten, was an so einem Tag passiert. Nun ja, dass Liverpool in England, München in Deutschland und St. Gallen in der Schweiz die jeweiligen Fussball-Ligen anführen, das kann man schnell wieder vergessen. Dass über Brexit und Klimawandel und Bäumepflanzen etwas in den Zeitungen steht, ist auch nicht unbedingt an dieses Datum gebunden. Hätte ich allerdings heute an der Ziehung für «Aktion Mensch» mit meinem Los gewonnen, dann wäre das Datum bereits magisch geworden.

Und so? Es war alles in allem ein ganz gewöhnlicher Tag. Ich hatte Fotos bearbeitet und sortiert. Zum Beispiel ein Bild von diesen Krüppelweiden, die immer wieder bis auf die «Schädelwurzeln» zurückgeschnitten werden. Es kommt in den Ordner mit den Baumpflanzungen; Stichwort Klimawandel; Stichwort Holzkohle. – Das hätte auch morgen noch geschehen können.



Ein «Weidenstummel» bei Zürich-Höngg, eingescannt am 02.02.2020 kurz vor 14.02 © H.W.R

Danach las ich eine Kolumne von Ben Moore über das Massensterben vor Tausenden Jahren. «Glücklicherweise treten gigantische Asteroideneinschläge oder riesige Magmaausbrüche nur etwa alle 100 Millionen Jahre auf. Gemäß Astronomen befindet sich in absehbarer Zeit keiner der erdnahen Riesenasteroiden auf Kollisionskurs mit uns.» So schreibt beruhigenderweise Ben Moore.

Also auch kein magischer Bezug zum 02.02.2020. Aber merkwürdig schon, wie sich einige Journalisten mit dem «Palindrom-Datum» abgeben. Irgendwo hieß es «Bis zum nächsten achtstelligen Palindrom werden rund 101 Jahre vergehen. Das wird am 12.12.2121 sein, nach meinen Schätzungen noch 37'203 Tage. – Für die meisten von uns kaum mehr erlebbar.

Was macht dann diesen Tag so besonders? Man muss ihm, wie allen Tagen, selbst etwas Besonderes mitgeben. Und wenn es nur eines von diesen Selfies ist. Ich bin kein Freund von Selfies. Aber am 02.02.2020 um 2.02 p.m ein Selfie zu schießen, könnte nach zehn Jahren irgendwie denkwürdig sein.




Das musste sein: am 02.02.2020 um 14.02 ein Selfie. Die gepflügte Erde verspricht Zukunft. © Selfie: H.W.R.


In jeder Hinsicht besonders dann ein Konzert mit Balthasar Streiffs Hornroh Modern Alphorn Quartett zusammen mit The Stone Alphabet am Abend. Archaische und moderne Obertonklänge zusammen mit allerlei Schlag- und Klang-Instrumenten mit Steinplatten und weiterem «Zubehör». Das hatte nun wirklich etwas Magisches, das man nicht alle Tage hört.




Balz Streiff, von Hornroh, allerdings nicht vom 02.02.2020, sondern von früher © Momentum Production 2016

Wenn das nicht genug wäre für einen besonderen Tag, dann hätte man sich ja die Wolken angucken können. Die hasteten an diesem teilweise stürmischen Tag sehr wechselvoll über den Himmel. Bei ungewöhnlichen Temperaturen von fast 12 Grad (am 02.02.2020). – Also lassen wir es: es war ein Februartag, wohl weitgehend ähnlich wie der morgige Februartag.




Der Himmel über Basel am 02.02.2020 kurz nach 14.02 Uhr © H.W.R.

Gucken wir mal, was dann vielleicht der 20.02.2020 bringt. Das ist dann zwar kein Palindrom-Tag und wird sich möglicherweise auch kaum in den Himmelsbildern unterscheiden.

Zum Schluss doch noch einen der bekanntesten Palindrom-Sätze: «In Nagold legen Hähne Geld, log Anni.» – Ist doch auch recht speziell, nicht nur, wegen des Vorwärts-Rückwärts-Lesens.

Ich werde mich mal näher mit Palindromen befassen. Das mit den geldlegenden Hähnen in Nagold – hat es doch noch etwas Wahres?

P.S: Habe mich einmal grammatikalisch unbeholfen an einem kurzen Palindrom geübt: Was wünscht sich ein spiritueller Eremit, der zufällig eine Goldmine entdeckt hat, auf jeden Fall? – Nur nie ein Run …

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