12. Mai 2021

 

Im Schweizerdeutschen gibt es den Begriff «zügeln». Gut, dieses Wort gibt es im Deutschen auch. Man zügelt seine Begierden, oder ein Pferd.

Wahrscheinlich, weil früher viele Pferdefuhren notwendig waren, um seinen Hausrat in eine andere Wohnung oder eine andere Bleibe zu transportieren, haben die Schweizer das Wort «Zügeln» ganz einfach auch für «Umziehen» also «Wohnungswechsel» in den Sprachgebrauch übertragen.

Da steh ich nun davor, vor dem Zügeln. Mit Vielem, das mitmuss und noch viel mehr, dass weg muss. Eine gute Gelegenheit, Sinnvolles von Nutzlosem und Bedeutsames von Belanglosem zu trennen.

In diesem Büro, das jetzt zu räumen ist, habe ich an mehr als einem Dutzend Bücher gearbeitet. Teilweise als Ghostwriter, teilweise als Buchcoach und Realisator und teilweise als eigener Herausgeber und Autor. Zu jedem dieser Bücher gibt es wieder Dutzende Bücher, die den jeweiligen Themenkreis betreffen.


Blüte mit Schneekappe

Mehr als ein Dutzend Bücher sind in diesem Büro entstanden – alle haben ein klares Konzept  / © Helmut W.Rodenhausen

Dann sind da noch die Buchprojekte, die gerade am Laufen sind und ebenfalls eine Reihe von Recherchebücher im Schlepptau haben.

Gerade eben kam mir beim Aussortieren ein Taschenbuch aus dem Jahr 2013 in die Finger. Titel: «Was zählt – 2013». Darin der weise Satz bzw. die Simplicity-Regel Nr. 10: «Einfachheit entsteht durch das Weglassen des Offensichtlichen und durch das Hinzufügen des Bedeutungsvollen».

Hört sich simpel an, ist aber hohe Schule. Bei jedem Buchkonzept gehört dieser Entscheidungsprozess zu den ersten Schritten. Und dann wieder und wieder. In enger Folge dann auch der von mir eigentlich ungeliebte Begriff «kill your darlings».


Blüte mit Schneekappe

Der Klimawandel und die Trockenheit führen in vielen Waldrevieren zum Umstürzen alter Bäume  / © Helmut W.Rodenhausen

 

Ein Beispiel: Für ein Buch über das Baumsterben und den Klimawandel entdeckte ich bei einer Begehung in einem Waldstück eine umgestürzte Fichte. Im Wurzelballen steckten eine Reihe von Ziegelsteinen. Der angrenzende Waldweg war vor rund hundert Jahren für Forstfahrzeuge befestigt worden. Damals hatte man aus der nahe gelegenen Ziegelei Abfallsteine als Füll- oder Untergrundmaterial verwendet.

Die Assoziation: Holz als Baumaterial, Steine als Baumaterial, Häuser und Siedlungen als «waldfressender Moloch» – das fand ich stark. Doch dieser mein «Liebling» war falsch, weil er im Zusammenhang mit dem vorliegenden Buchkonzept wenig Bedeutungsvolles hatte.


Konnektor-Suit von Clarina Bezzola

Eine Entdeckung: Alte Ziegelsteine im Wurzelwerk – neue Fährte oder falscher Holzweg?  / © Helmut W.Rodenhausen

 

Bücher zu machen ist spannend. Es gibt eine Zielgerade, aber unglaublich viele Verzweigungen, um über Umwege zu einem besseren Resultat zu kommen. Nur: etliche Umwege sind leider auch Holzwege… – Die Erfahrung lehrt, sie frühzeitig zu erkennen. – Ich freue mich darauf, meine Erfahrungen in Ihr neues Projekt einbringen zu können.

 

Wolkenhimmel mit Krähenschwarm

Eines der Ziegelsteinfragmente aus dem Wurzelwerk herausgeholt und gereinigt
/ © Helmut W.Rodenhausen

Hätte ich nicht mit einem anderen Konzept wie zum Beispiel «Steineklopfen» eine besondere Affinität zu Ziegelsteinen, so wäre mir das Ganze wahrscheinlich nie aufgefallen. Siehe auch Steineklopfen-Gedichtebauhütte.

 

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