8. September 2020

Die Meiler rauchen wieder. Auch wieder mit Zuschauenden und Interessierten. Die Covid-19-Beschränkungen hatten alle Vorträge, die ich ursprünglich hätte halten sollen, verunmöglicht.

Nun hatte ich beim Köhlerverein Andelbach Nahe Winterthur wieder eine Meiler-Begegnung. Und gleich eine der besonderen Art.

Peter Dietschweiler und sein Team haben nämlich ihren eigenen Anspruch, wie ein Meiler auszusehen hat: so harmonisch und schön wie es nur geht. In der Tat hätte dieser Meiler im Buch der schönsten Meiler einen Eintrag auf der ersten Seite verdient.


Kohlenmeiler beim Anzünden

Die nächste «Köhler-Generation» im Köhlerverein Andelbach: Corinne Dietschweiler und Urban Flunser beim Anzünden

Der formvollendete Meiler, die anwesenden Gönnerinnen und Gönner und die Möglichkeit, wieder einmal über Holzkohle zu sprechen, brachten mich ins Schwärmen.

Nicht nur direkt beim Vortrag, sondern auch danach. Das erste, was ich beim Nachhausekommen tat, war, in der gerade im Umbau befindlichen Wohnung wieder ein sauberes Eckchen herzurichten.

Dazu gehörte die Kaffeemaschine auf der einen Seite und der kleine japanische Tisch mit der Holzkohle auf der anderen Seite meines Büros.




Holzkohle lässt mich nicht mehr los. Die Schönheit, die Einfachheit, die Sinnhaftigkeit. Hier von einem Weinstock und von einem Haselzweig.


Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse bringt mich genauso zum Staunen und Verwundern. Während in Brasilien, auf Madagaskar oder in Südostasien unvorstellbare Flächen tropischen Regenwaldes durch Brandrodung vernichtet werden, begegne ich auf einer kurzen Wanderung in der Nähe von Arlesheim einem seit langem abgeholzten Baum.

Aus dessen Strunk wächst ein kleiner, gesunder Ahornspross. Und während hier in Europa die Meiler zur Bewahrung der Tradition – und für Grillkohle – angezündet werden, raucht irgendwo auf der Welt ein Meiler, weil dort der Brennstoff noch immer notwendig ist, um Metalle zu bearbeiten – und um Nahrung zuzubereiten.

Bei all der weltweiten Informationsvernetzung und Koordination durch Covid-19 müsste es doch endlich auch gelingen, eine weltumspannende Nachhaltigkeit für Bäume, Wälder und CO2-Kreisläufe in Gang zu bringen!




So unscheinbar es aussieht, so hoffnungsvoll keimt Zukunftsglaube: ein Ahornsprössling wächst aus einem Baumstrunk


Was nun als nächstes für mich auf der Traktandenliste steht: Eine Nacht neben einem Kohlenmeiler.

Das sollte doch zu organisieren sein, bevor es gar zu kalt wird. Danach freue ich mich auf die Vorträge in einem größeren Rahmen, die hoffentlich bald wieder möglich sein werden.

In der Zwischenzeit lasse ich mich von der Poesie der Holzkohle weiter inspirieren.




Wenn die Worte fehlen, muss man sie suchen. Dann entsteht vielleicht Poesie. Wie hier in der «Gedichtebauhütte Steineklopfen»