25. August 2014


Zunächst geht's hier um Martha. Die weiss von nichts. Sie weiss nicht einmal, dass sie Martha heisst. Oder besser gesagt, hiess. Denn sie starb, 29-jährig, bereits am 1. September 1914 in Cincinatti.

Martha ist die letzte Verbliebene eines gigantischen Volkes: Ectopistes migratorius, die Wandertaube. Die Medien sind zurzeit voll mit Berichten über Martha.

Heftli, Wissenschaftsmagazine, Radiosendungen, TV-Beiträge. Gegenwärtig scheint alles medienrelevant zu sein, was mit 1914 zu tun hat. Ob tote Soldaten oder tote Tauben, wie eben Martha.

Taube Martha.

Aber das Leben der Artgenossen von Martha hat mich dann doch schockiert. Nein, weniger das Leben, als die Ausrottung. Innerhalb von rund 50 Jahren wurden Milliarden dieser Vögel getötet. Ornithologen schätzen, dass die Wandertaube die am meist vorkommende Vogelart der Erde gewesen sei.

John James Audabon, ein Zeichner und Ornithologe, berichtete Mitte des 19. Jahrhunderts über eine der breit organisierten Taubenjagden in den USA: «Die Tauben, die zu Tausenden ankamen, landeten überall, eine über der anderen, bis sie übereinander die Äste bedeckten. Hier und da gaben Äste unter ihrem Gewicht mit einem Krach nach…»

Bei einem solchen Jagdausflug gab es Siegespreise, wenn mindestens 30 000 Vögel geschossen wurden. Doch das genügte nicht. Es wurden Netzfallen gespannt und die Vögelzüge systematisch abgefangen. Sie dienten als Delikatesse für die noblere Elite in Gourmet-Restaurants genauso wie als Armeleute-Essen für die Arbeiter. Und als Viehfutter.

Es muss ein schöner Vogel gewesen sein. Mit einer Größe von etwa 40 cm und stromlienienförmigem Körper. Die Männchen mit leuchtend rötlich schimmernder Brust, die Weibchen blasser.

Martha, die Letzte ihrer Art, wurde sofort nach ihrem Tod in einen schweren Eisklotz eingefroren und per Bahn nach Washington geschickt. Ins Smithsonian Institut. Dort wurde sie fachgerecht präpariert. 2014 wurde per Computer eine Rundum-Ansicht der Tauben-Dame ins Netz gestellt.


Taube Martha.

Und da beginnt der zweite Teil. Wieder die Frage nach dem Copyright. Auf der Website von Smithsonian heisst es an entsprechender Stelle: «Photographer: Donald E. Hurlbert, 6/23/2014 © This image was obtained from the Smithsonian Institution. The image or its contents may be protected by international copyright laws.»

Das Bild der Taube ist geschützt. Die Taube selbst konnte man nicht mehr schützen. Doch mittlerweile sind junge Wissenschaftler wie beispielsweise Ben J. Novak daran, aus den noch vorhandenen Eiern (oder einem einzigen) Klone der ausgestorbenen Art zu reproduzieren. Wenn das gelingen sollte, stellt sich wiederum ein Copyright-Problem.

Ich glaube, ich muss mich doch noch intensiver mit dem Thema Urheberrecht auseinandersetzen. Der Clip von C.P.P.Grey zum Beispiel ist so eine erste Copyright-Orgie. Für alle, die in 5 bis 6 Minuten rasend schnell Englisch verstehen wollen.




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